Aktuelles

Am Sonntag Judika, 29. März 2020, laden wir Sie ein, mit der Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Godehard Kessin eine Andacht zu feiern.
Hier geht es zum Youtube-Video!


Liebe Gemeindeglieder
und Freunde von St. Johannis Rostock,

die Corona-Krise zwingt uns, Abstand zu halten. Auch die vertrauten Treffpunkte und die gemeinsamen Zeiten in der Johanniskirche oder im Gemeinde­ChorHaus fallen weg. Die Familie ist gewissermaßen auseinandergerissen. Aber nur örtlich, im Herzen bleiben wir doch miteinander verbunden, als Glaubensgeschwister.

Und wie wir es in unseren leiblichen Familien machen, wenn wir uns längere Zeit nicht sehen können, weil wir an verschiedenen Orten wohnen oder länger auf Reisen sind, so halten wir es auch in unserer Kirchengemeinde: Wir geben ein „Lebenszeichen“.

Wir möchten Ihnen mit unserem wöchentlichen „Lebenszeichen“ aus der Ferne zuwinken und sagen: Wir sind mit unseren Gedanken und Gebeten in diesen Wochen bei Ihnen. Und wir sind für Sie da, telefonisch, aber bei Bedarf auch mit organisatorischen Hilfen beim Einkaufen oder was immer Ihnen Schwierigkeiten macht. Bitte scheuen Sie sich nicht, sich bei uns zu melden.

Zugleich hoffen wir, dass dieser wöchentliche Rundbrief auch ein „Lebenszeichen“ im anderen Sinne werden kann: ein Zeichen für das Leben. Das Leben, das Gott uns geschenkt hat und das zu bewahren er versprochen hat. Eine kleine biblische Besinnung soll helfen, dass die „Quelle des Lebens“ (Psalm 36,10) in diesen Wochen nicht unter dem Geröll der vielen bedrohlichen Nachrichten und unserer Ängste verschüttet wird.

Es grüßen Sie herzlich
Jörn Kiefer, Markus Langer, Annette Lockenvitz, Torsten Franz, Anne von Hoff, Julius Hofmann

Telefonisch sind wir für Sie da:

Pastor Kiefer: 0381 200 69 70
Kantor Langer: 0151 156 80 711
Gemeindepädagogin Lockenvitz: 0171 999 26 72

Online-Gottesdienste

Die Rostocker Kirchengemeinden wollen jede Woche einen Gottesdienst aus einer anderen Kirche im Internet verfügbar zu machen.

Für den Sonntag Lätare haben wir in St. Johannis einen Gottesdienst aufgenommen. Klicken Sie HIER.
Alle weiteren Gottesdienste auf www.kirche-mv.de.


Biblische Besinnung:
Vom Reden und Schweigen in der Krise

Darf ich vorstellen: Noah. Der polnische Bildhauer Kasimierz Kowalczyk hat ihn aus Linde und schwarzer Mooreiche geschnitzt.

Noah hält die Taube in der Hand, nun schon zum zweiten Mal. Schon einmal hat er sie ausgeschickt, wie vorher schon den Raben. Die Vögel sollten ein Lebenszeichen bringen. Ein Blatt, ein Zweig, irgendein ein Zeichen, dass die Katastrophe ein Ende hat. Aber nichts, die Vögel kamen zurück.

Die Sintflut hatte überall Tod und Verderben gebracht. Die Arche war auf einem kahlen Felsen aufgelaufen. Und ob auf den Hügeln, die ringsum langsam aus dem Wasser auftauchten, jemals wieder Leben möglich sein würde, war ungewiss.

Und trotzdem: Noah wird es ein drittes Mal probieren. Vorsichtig, fast zärtlich hält er die Taube. Sie scheut sich loszufliegen, oder? Zu ungewiss ist ihre Mission. Und Ungewissheit steht auch in Noahs Blick. Und da ist noch etwas in seinen Augen: eine tiefe Trauer. Obwohl Noah und seine Familie bewahrt worden sind – was mussten diese Augen nicht sehen an Schrecklichem in den zurückliegenden Monaten! Hat es ihm die Sprache verschlagen? Die Lippen bleiben jedenfalls geschlossen. Nur die Augen schreien zum Himmel. Und die Hand, sie macht eine energische, trotzige Geste.

Die Sintflut ist in der Bibel das Urbild einer Katastrophe. Ein erstaunlicher Zug dieser Geschichte ist, dass ihr Held die ganze Zeit schweigt. Die Flut wird von Anfang bis Ende genau dokumentiert, von den Bauanweisungen, die Gott dem Noah erteilt, bis zu den Wasserstandsmeldungen. Doch von Noah selbst kein Wort. Warum schweigt Noah?

Bei jüdischen Bibelgelehrten, die Meister darin sind, den biblischen Texten mit viel Phantasie Gottes Stimme zu entlocken, findet man spannende Antworten. Einige haben das Schweigen als stummes Entsetzen gedeutet. Was soll einer sagen angesichts einer solchen Katastrophe? Auch dem Glaubenden verschlägt es da die Sprache. So gesehen steht uns der schweigende Noah in dieser Krisenzeit sehr nahe. Andere Rabbinen waren weniger gnädig mit dem Sintflut-Helden. Wer schweigt, stimmt zu, unterstellen sie. Hätte Noah nicht die Stimme erheben und Gott von seinem Entschluss abbringen sollen, wie Abraham und Mose es später getan haben? Vielleicht hat Gott auf seinen Widerspruch gewartet. Vielleicht wartet Gott auch heute auf unseren Widerspruch, auf unsere Einmischung, auf unser Gebet in Zeiten von Corona.

Aber möglicherweise haben ja diejenigen recht, die in Noahs Schweigen den typischen Krisenmodus eines Menschen sehen, der ums Überleben kämpft. Keine Zeit für Debatten, jetzt muss das Nötige getan werden. Noah baut die Arche, das Rettungsboot. Er organisiert das Überleben seiner Familie, der Tiere. Er steuert die Arche über die Abgründe. Mehr geht nicht. Es ist der Tunnelblick der Verantwortung, so wie ihn die Ärzte und Pfleger in Italien jetzt vielleicht haben müssen, um nicht zu verzweifeln.

So auffällig es ist, dass in der Sintflut-Geschichte kein einziges Wort aus Noahs Mund überliefert ist, und so gute Gründe es für sein Schweigen geben mag – letztlich glaube ich nicht, dass die Sintflut-Erzählung behaupten will, Noah habe ein Jahr lang (solange dauerte die Flut!) nicht gesprochen. Ihr beredtes Schweigen könnte vielmehr bedeuten, dass Noahs Worte nicht für unsere Ohren bestimmt waren. In Zeiten der Krise brauchen Menschen keinen neugierigen Klatsch und Tratsch, schon gar nicht Fake News und Verschwörungstheorien. Aber Ohren, die wirklich Zuhören, vertraute Menschen und vor allem Gott, der selbst die gestammelten Gebete und unsere stummen Schreie versteht, die brauchen wir sehr wohl.

Für solche vertrauten Ohren waren die Worte bestimmt, die Noah ganz bestimmt in der Arche gesprochen hat. Am Abendbrotstisch mit seiner Familie, die mit ihm in der Arche saßen, auf engstem Raum, Ausgangssperre, Quarantäne, einzig mögliche Rettung vor der tödlichen Katastrophe – da wird er sich ausgetauscht haben über seine Ängste und seine Hoffnungen. Und auf seinem Bett, wenn er nicht einschlafen konnte, weil draußen der Sturm tobte, wird er seine Fragen, seine Klagen und seine Angst zum Himmel geschickt haben – im stillen Gebet und vielleicht auch nur in Form von Tränen. Und vielleicht hat er heimlich auch mit den Tieren gesprochen in all den Wochen, in denen die rettende Arche sich wie ein Gefängnis anfühlte.

Mag sein, im Moment, den die Skulptur eingefangen hat, schweigt er. Aber hat er nicht gerade noch der Taube zugeflüstert: „Komm zu mir zurück, hörst du? Bring ein Hoffnungszeichen.“ Und nun wendet er den Blick zum Himmel. Seine Lippen bleiben unbewegt, aber nicht sein Herz: „Gott, pass auf sie auf, hörst du?“

Sehen Sie, wie er die Hand hält? Einerseits nach oben geöffnet, eine Gebetshaltung, andererseits der Gestus eines Redners, der jemanden überzeugen will: „Gott, es wird Zeit, hilf uns! Wir brauchen ein Lebenszeichen.“

„Und die Taube kam um die Abendzeit zu ihm zurück, und sieh da, sie hatte ein frisches Ölblatt in ihrem Schnabel“ (Genesis 8,11).

Ich finde, Noah rückt uns ziemlich nahe in dieser Krisenzeit. In diesem Sinne möchte ich Sie ermuntern: Halten Sie durch in Ihrer „Arche“. Tun Sie das, was nötig ist. Schweigen oder Klagen – beides ist erlaubt. Aber vergessen Sie dabei bitte nicht: Gott wartet auf unser Gebet, er hat uns ein Mitspracherecht eingeräumt. Und bei alledem: Halten Sie Ausschau nach Hoffnungszeichen. Vielleicht erleben Sie ja in diesen Wochen der Isolation etwas Besonderes, was Sie mit uns teilen mögen, dann schreiben Sie es mir.

Ihr Pastor Jörn Kiefer


Aufruf zum Gebet

Wir laden Sie ein, jeden Abend 19 Uhr eine Kerze sichtbar im Fenster zu entzünden und um Hilfe und Bewahrung zu beten. Auch die Glocken unserer Johanniskirche werden dazu läuten.

Hier ein Gebetsvorschlag:

Barmherziger Gott, wir bringen dir alle Erkrankten und bitten um ihre Heilung. Tröste jene, die jetzt trauern.

Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie. Rüste alle Pfleger und Pflegerinnen aus mit Kraft in dieser extremen Belastung.

Gib den Politikern und Mitarbeitern der Gesundheitsämter Besonnenheit.

Wir bitten für alle, die in Angst sind: um Frieden inmitten des Sturms.

Wir bitten für alle, die materiellen Schaden haben oder befürchten: tue ihnen neue Türen auf. Wir bitten für alle, die sich einsam fühlen, berühre sie mit deiner Sanftheit.

Und mach uns dankbar für jeden Tag in Gesundheit und für so vieles, was wir in guten Zeiten so leicht übersehen. Lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist, dass es endlich ist und wir nicht alles kontrollieren können.

Ewiger Gott, dir vertrauen wir uns und unsere Lieben an.
Amen.


Aktuelle Mitteilung

Die Gemeinden der Region Rostock haben sich entschlossen, sich den Vorbeugemaßnahmen gegen das Corona-Virus im kirchlichen Umfeld in folgender Weise anzuschließen: Bis zum 19. April werden abgesagt

  1. alle Gottesdienste; verbunden damit ist die Bitte um das stellvertretende sonntägliche Gebet durch die Pastor*innen (u.a.) am Altar; die Gemeindeglieder sind gebeten, das Angebot von Fernsehgottesdiensten und möglicherweise von online-Gottesdiensten aus der Region wahrzunehmen
  2. alle Veranstaltungen und (Gesprächs-) Kreise, Chorproben u.ä. in kirchlichen Räumen
  3. alle Besuche, die nicht unbedingt aus seelsorgerlichen Gründen getätigt werden müssen

Wir bitten unsere Gemeindemitglieder um Verständnis und um Fürbitte in dieser besonderen Situation und wünschen von Herzen beste Gesundheit!
Informationen finden Sie auch unter www.nordkirche.de


Kino zwischen Himmel und Erde
Filmabende in unserem GemeindeChorHaus

Im September hat eine neue Veranstaltungsreihe begonnen. Einmal im Monat verwandelt sich das GemeindeChorHaus in einen Kinosaal! In vielen Filmen, gleich, ob sie aus Hollywood oder Babelsberg kommen, werden nämlich religiöse oder biblische Themen auf kreative Weise aufgenommen. Oftmals sind die Antworten der Regisseure so interessant, dass es sich lohnt, darüber ins Gespräch zu kommen.
Zu den einzelnen Filmen werden jeweils kurze Einführungen gegeben, danach geht der Vorhang auf. Und wer mag, kann im Anschluss noch über den Film diskutieren. Der Eintritt ist frei, Popcorn und Getränke werden vorhanden sein.

Termine:

Freitag, 27. März um 19.30 Uhr – wird verschoben
Katharina Luther
Die Geschichte der Reformation erzählt aus der Perspektive der Frau des großen Reformators.

Freitag, 15. Mai um 19.30 Uhr
Jesus liebt mich
Komödie über die zarte Liebesgeschichte von Marie und Jeshua (Jesus), der unversehens wieder unter den Menschen gelandet ist.


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