Aktuelles

Liebe Gemeindeglieder und Freunde von St. Johannis Rostock,

mit dieser zweiten Ausgabe des „Lebenszeichens“ grüßen wir Sie herzlich. Unsere Gedanken und Gebete sind bei Ihnen in diesen Wochen des Abstandhaltens.

Jörn Kiefer, Markus Langer, Annette Lockenvitz, Torsten Franz, Anne von Hoff, Julius Hofmann

Telefonisch sind wir für Sie da:

Pastor Kiefer: 0381 200 69 70
Kantor Langer: 0151 156 80 711
Gemeindepädagogin Lockenvitz: 0171 999 26 72


Frühjahrskirchenputz 2020 und keiner darf kommen…

Im Frühjahr der Samstag vor Palmsonntag und im Herbst der Samstag vor dem Ewigkeitssonntag, das sind die Tage im Jahr, wo sich die fleißigen Helfer für einen Vormittag einfinden, um gemeinsam in und um die Kirche und das GemeindeChorHaus zu putzen, zu harken, zu gärtnern.

Neben der Arbeit für die Gemeinde ist es aber vor allem auch die Gemeinschaft, die diese Stunden so erfüllt vergehen lässt. Die Kaffeepause um 10.30 Uhr mit leckeren Kuchen ist schon eine Tradition und das Glockengeläut um 12.00 Uhr verabschiedet uns alle in ein fröhliches Wochenende. 

Und das darf am kommenden Samstag nicht sein? Ja, leider, denn wir sind ja immer mehr als zwei. Schade, wieder eine Absage, wie so viele im Moment. So ist es nun meine Aufgabe allein den Frühling in unsere Kirche, das GCH und den Garten einkehren zu lassen.

Aber, wenn auch nun scheinbar einsam, fühle ich mich doch getragen von Ihren guten Gedanken und weiß, dass wir uns wiedersehen können, sei es hoffentlich bald im Gottesdienst oder schon vorher beim Abholen zum Verteilen der „Lebenszeichen“ immer donnerstags.

Kommen Sie doch einmal vorbei bei einem Spaziergang im Barnstorfer Wald. Von der Bank im Küstergarten aus können Sie mit dem Blick auf unsere Kirche und den renovierten Anbau den erwachenden Frühling genießen. Diese Bank bietet übrigens Platz für zwei mit dem nötigen Abstand.

Oder Sie lugen einmal in das Foyer vom GemeindeChorHaus und staunen über die Bilder, die seit dem letzten Freitag dort hängen. Die Malerin Ute Laux aus Schwerin hat sie der Gemeinde zur Ansicht mit einer Kaufoption überlassen, in zwei Wochen werden zwei weitere Bilder zu sehen sein.

Ich grüße Sie herzlich, bleiben Sie behütet

Küster Torsten Franz


Biblische Besinnung: Von alltäglichen Wundern

Darf ich vorstellen: Elia. Der berühmte Prophet aus der Bibel, der Königen und ihren Militärs unerschrocken entgegentrat. Der Wundertäter, dem Gott die Macht gab, über Feuer und Wasser zu gebieten, und auf dessen eindringliches Gebet hin Gott sogar ein todkrankes Kind ins Leben zurückruft. Der feurige Streiter für Gottes Sache, den die Späteren bewundern werden.

Nachzulesen sind diese Geschichten im Alten Testament (1. Könige 17-19; 21; 2. Könige 1-2; Sirach 48,1-13). Der Skulptur, aus Linde und schwarzer Mooreiche geschnitzt, sind solche heldenhaften Züge allerdings nicht anzusehen. Sie gewährt einen anderen Blick auf Elia.

Auch diese andere Seite des berühmten Propheten kennen die biblischen Geschichten nämlich. Wie bei keinem anderen sind bei ihm Stärke und Schwäche, Mut und Angst, Energie und Depressivität miteinander vermischt. Irritierend? Enttäuschend? Ich würde sagen: menschlich. Und deshalb tröstlich.

Es ist gut, dass es Glaubensvorbilder gibt. Menschen mit brennenden Herzen und mit feuriger Ausstrahlung. Denen auch in der Krise der Mut nicht sinkt. Die die Fackel des Glaubens hochhalten, wenn einen selbst die Zweifel überkommen – an Gottes Macht oder, schlimmer noch, an seiner Güte.

Aber es ist tröstlich, dann auch von solchen Glaubensvorbildern zu erfahren, dass sie genau wie wir Zeiten durchleben, in denen sie ein anderes Bild abgeben: verletzlich, hilfsbedürftig und einsam. So einer war Elia auch. Und so zeigt ihn uns der polnische Bildhauer Kasimierz Kowalczyk*:

Ein Mensch am Boden, mit leeren Händen und angstvoll weit aufgerissenen Augen. Bedürftigkeit spricht aus seiner Körperhaltung, er streckt sich aus nach etwas, was ihm dringend fehlt. Aber auf menschlicher Ebene gibt es offenbar niemanden, von dem er etwas erwarten könnte. Elias Hände und sein Blick weisen in die einzige Richtung, die jetzt noch Hoffnung verspricht: nach oben, zum Himmel.

Was war geschehen? Elia hatte sich angemaßt, den König für seine Gottlosigkeit zu kritisieren und ihm Gottes Strafe anzudrohen. Nun musste er fliehen. Als Asyl weist Gott seinem Propheten ein Wadi jenseits des Jordans zu. Hier ist er vor den Häschern des Königs sicher. Aber wie soll er in einer Felsschlucht, die nur im Winter Wasser führt, und wo weit und breit keine Menschenseele wohnt, überleben?

Sicher, aber einsam. Das erleben wir auch in diesen Wochen, aber uns bleiben ja doch die offenen Lebensmittelmärkte. Elia musste auf ein Wunder hoffen.

Und das Wunder geschieht, wie von Gott versprochen. Während Elia noch seine ängstlichen Gebete zum Himmel schickt, ist es längst angekommen. Nur Elia sieht es noch nicht.

Ein Rabe sitzt auf seinem Bein. Wie um ihn aufmerksam zu machen: Nun sieh doch endlich hin, Gott hat dir längst Hilfe schickt! Der Rabe gehört zum himmlischen Lieferdienst, der Elia an seinem Zufluchtsort mit Brot und Fleisch versorgen wird.

Obwohl er doch Gottes Versprechen kannte, begreift Elia das Wunder nicht sofort. Vielleicht, weil es so alltäglich daherkommt: Raben sind nun mal in diesen Felsschluchten nichts Außergewöhnliches. Elia hat sich längst an ihr Krächzen gewöhnt. Und deshalb übersieht er nicht nur den einen, der direkt vor ihm sitzt, er überhört auch das Murmeln des Wassers: ein frischer Bach in der trockenen Schlucht!

Vielleicht ist also noch gar nicht Trockenzeit? Der Bibeltext (1. Könige 17,1-7) lässt das tatsächlich offen. Als ob er mit diesem Gedanken spielt, der auch uns allzu vertraut sein dürfte: Für alles, auch für das Wunderbare, gibt es eine Erklärung. Und umgekehrt: was erklärbar ist, was alltäglich ist, das lassen wir nicht als Wunder gelten.

Dass wir gut versorgt werden, mit Brot (ganz zu schweigen von frischem Obst und Schokolade), sauberem Wasser (ganz zu schweigen von Seife und Medikamenten), an einem sicheren Ort (mit Bürgertelefon und Polizei) und selbst in einer Zeit weltweiter Katastrophenzustände in beneidenswerter Absicherung (mit Intensivstationen und Krankenversicherung), das alles ist für uns normal. So alltäglich wie die Raben in Elias Schlucht.

Es dauert eine Weile, bis Elia das Wunder hinter dem Alltäglichen, die Hand Gottes hinter der „natürlichen“ Versorgung entdeckt. Bis er ermisst, wie Gott handelt – manchmal wunderbar alltäglich. Das könnte die Haltung seiner Arme nämlich auch bedeuten: sie wollen die Größe Gotte ermessen.

Elias Raben sind ein schönes Gleichnis: Ganz und gar alltägliche Wesen, die zum Zeichen der Fürsorge Gottes werden. Vielleicht muss man wie Elia an einem abgeschiedenen Ort (oder in häuslicher Quarantäne) festsitzen, bevor man diese Lektion lernt: Hinter dem täglichen Brot und Wasser, hinter dem Mietvertrag, der Krankenkassenkarte, dem Fernseher und dem Telefon, steht der himmlische Lieferdienst. Diese alltäglichen Dinge sind Gottes Raben, die uns mit dem Nötigen versorgen.

Für Elia wird diese Versorgung durch Gott ein Lebensthema bleiben. Waren es erst die Raben, wird es dann eine arme Witwe (1. Könige 17,10-16) und schließlich ein Engel in der Wüste (1. Könige 19,5-8) sein, die ihn mit Brot und Wasser versorgen und damit die Erkenntnis schaffen: Du kannst nicht aus deinen eigenen Ressourcen leben, und du musst es auch nicht: Gott sorgt für dich.

Und da fällt mein Blick zum Schluss noch einmal auf den Raben. Würde ich mich hinter Elia stellen, dann träfen seine Blicke direkt meine Augen – und seine Fragen mein Herz:

Wovon lebst du eigentlich? Aus wessen Hand? Unter wessen Schutz? Hast du die Gaben eigentlich schon entdeckt, die Gott dir geschickt hat, oder liegen sie noch unberührt zu deinen Füßen?

Und ist vielleicht etwas dabei, was dazu bestimmt ist, an andere weitergegeben zu werden? Kannst du am Ende gar selbst für andere zum Raben werden, zum himmlischen Lieferdienst und zum Zeichen der Fürsorge Gottes?

Ihr Pastor Jörn Kiefer

* Über den Bildhauer, seine Figuren und seine bewegende Glaubensbiografie finden Sie hier Informationen.


Online-Angebote

Der Rostocker Online-Gottesdienst zum Palmsonntag kommt aus der Ufergemeinde. Weitere Angebote auf Corona-Sonderseite des Kirchenkreises.

Aus der Fülle kreativer Ideen im Internet hier noch zwei Empfehlungen:

Ein schönes „Lebenszeichen“, wie Gemeinschaft auch in Zeiten von Corona weiterbesteht: Through Music We Are Connected (Bachfest Malaysia).

Die ökumenische Kommunität OJC lädt zu täglichen Passionsandachten zu Bildern von Sieger Köder ein.


Aufruf zum Gebet

Auch wenn es nun abends länger hell ist, wir laden Sie weiterhin ein, täglich 19 Uhr ein „Licht der Hoffnung“ zu entzünden und um Hilfe und Bewahrung zu beten. Die Glocken unserer Johanniskirche läuten dazu.


Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Johannis
Tiergartenallee 4
18059 Rostock
Telefon: 0381 2006970
rostock-johannis(at)elkm.de


Aktuelle Mitteilung
Die Gemeinden der Region Rostock haben sich entschlossen, sich den Vorbeugemaßnahmen gegen das Corona-Virus im kirchlichen Umfeld in folgender Weise anzuschließen: Bis zum 19. April werden abgesagt:

  • alle Gottesdienste; verbunden damit ist die Bitte um das stellvertretende sonntägliche Gebet durch die Pastor*innen (u.a.) am Altar; die Gemeindeglieder sind gebeten, das Angebot von Fernsehgottesdiensten und möglicherweise von online-Gottesdiensten aus der Region wahrzunehmen
  • alle Veranstaltungen und (Gesprächs-) Kreise, Chorproben u.ä. in kirchlichen Räumen
  • alle Besuche, die nicht unbedingt aus seelsorgerlichen Gründen getätigt werden müssen

    Wir bitten unsere Gemeindemitglieder um Verständnis und um Fürbitte in dieser besonderen Situation und wünschen von Herzen beste Gesundheit!
    Weitere Informationen finden Sie auch unter www.nordkirche.de

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